SMARAGDWELT

Die Welt der Möglichkeiten


Ich wurde am 17. Dezember 1963 in Zrenjanin geboren. Die ersten drei Jahre meines Lebens verbrachte ich in einem Dorf namens Muzlja. Danach brachten mich meine Eltern nach Wien. Ich bin also ein waschechtes Gastarbeiterkind. So stammen meine intensivsten Erinnerungen aus meiner Kindheit von jenem Ort, aus dem meine Wurzeln stammen.

 

Als anständige Gastarbeiterfamilie fuhren wir fast ein Jahrzehnt lang jedes Jahr in die Heimat. Oder - wie es später hieß - in die alte Heimat. Aufgrund des Eisernen Vorhangs war das damals noch eine mitunter recht abenteuerliche und langwierige Reise. Für mich ist es bis heute faszinierend, welch enorme Kontraste zwischen neuer und alter Heimat lagen.

 

Ich könnte einen ganzen Roman darüber schreiben, aber lassen Sie mich nur ein plakatives Beispiel heraus greifen - die Art und Weise wie ich in Wien und in Muzlja meine Notdurft verrichtete.

 

Zivilisiert in der neuen Heimat, wie das heutzutage jeder kennt. Gut, das Klo war dort wo wir damals wohnten noch am Gang, aber in Muzlja gab es noch bis in die späten 70er Jahre nicht einmal Wasserklos.

"Und haben sie dann einfach in den Hof geschissen?"

Diese Frage hat mir einmal eine Freundin gestellt, als ich ihr davon erzählt hatte.

 

Es war noch viel schlimmer. Mehrmals am Tag musste ich in das Horrorhaus meiner Kindheit - dem Plumpsklo!

 

Schon aus der Ferne sah es wie eine dieser windschiefen Konstruktionen aus, von denen jeder Zuschauer sofort weiß, dass den unbedarften Besuchern grauenvolle Dinge erwarten. Noch mehrere Schritte vom Zugabg zu dieser Kabine des Schreckens entfernt, empfing mich bereits der bestialische Duft aus menschlichen Exkrementen. Die Duftwolke war so intensiv, dass ich mir manchmal einbildete, sie nicht nur mit meiner Nase, sondern auch meinen Augen wahr zu nehmen. Als hätte sich der üble Geruch wie in einem SciFi-Film visuell manifestiert.

 

Zweifellos spielten mir nur meine Nerven einen Streich. Der Stress war bei meiner Großmutter besonders groß, denn dort lauerte auch noch eine Bestie nur fünf Meter vom Klo entfernt.

 

So kam es mir damals jedenfalls vor. Tatsächlich war es ein mittelgroßer Wachhund, der vor seiner Hütte döste. Allerdings waren die Wachhunde in Muzlja tatsächlich darauf abgerichtet, Menschen zu zerfleischen. Mischa, so hieß dieser Hund, tat zwar immer ganz arglos, als könnte er keiner Fliege etwas zu Leide tun.

Aber ich kannte den Schlawiner nur allzu gut! Das war ein fieser Trick von ihm. Denn sobald ich nahe genug war, war er plötzlich putzmunter und rannte wie ein geölter Blitz auf mich zu!

Zum Glück für mich war seine Kette nicht lang genug, damit er sein furchterregendes Gebiss in meinen Allerwertesten bohren konnte. Selbst das wäre jedoch weniger schlimm gewesen, als das, was mich im Inneren des Scheißhauses der Verdamnis erwartete - die unheilige Allianz der fliegenden und krabbelnden Insekten!

 

Die gemeine Stubenfliege störte mich dabei noch am wenigsten. Nerviger waren da schon die blutsaugenden Mücken. Am allerschlimmsten waren jedoch die Wespen. Wer entblößt schon gerne seinen Hinterteil und hält ihn über den Schlund des Ewigen Gestankes, wenn er sich nie ganz sicher sein konnte, ob er nicht vom Stachel eines garstigen Insektes durchbohrt werden würde?

 

Und da reden wir noch immer erst von den Luftstreitkräften. Tief unten im Loch ohne Wiederkehr krochen die Fußsoldaten.

Aber über diese Infanterie kann ich bis heute noch nicht berichten. Zu namenlos ist das Grauen, das ich dort gesehen habe.

 

Ich weiß nicht, ob die Diskrepanz der beiden Welten, die ich als Kind erlebte, einen Einfluss auf meinen Wunsch hatte, Schriftsteller zu werden. Es kristallisierte sich jedoch schon während meiner Teenagerzeit heraus. Doch von den Unebenheiten des Lebens kräftig durchgeschüttelt, folge ich erst jetzt meiner Berufung. Jetzt bin ich endlich ein Geschichtenerzähler.

 

Es ist mein Wunsch, Menschen so gut wie möglich zu unterhalten. Daran arbeite ich jetzt mit Fleiß, Konsequenz und Hingabe.

 

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